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Terminologie

Korrekter Sprachgebrauch

Warum sollten undokumentierte Migrant/-innen nicht als “illegal” bezeichnet werden?

PICUM ist für den Gebrauch von “undokumentierte Migrant/-innen” (oder “irreguläre Migrant/innen” als Alternative) statt “illegale Migrant/-innen”, wenn über Migrant/-innen ohne gültige Aufenthaltsgenehmiging gesprochen wird. PICUM betont, dass diese Meinung durch viele Nichtregierungsorganisationen, lokale Gebietskörperschaften, Fachleute und Migrant/-innen geteilt wird.

Der Ausdruck “Illegaler” kann hauptsächlich aus drei Gründen kritisiert werden

  1. Er klingt nach Kriminalität, wobei die meisten “irregulären Migrant/innen” keine Kriminellen sind. Der Aufenthalt in einem Land ohne gültige Genehmigung ist in den meisten Ländern keine Straftat, sondern ein verwaltungstechnischer Verstoß.
  2. Ein Individuum oder eine Gruppe als “illegal” zu bezeichnen kann so interpretiert werden, als ob ihnen ihre Menschlichkeit entsagt werden würde und hat das Risiko, gegen ihr natürliches Recht, vor dem Gesetz als Person angesehen zu werden, zu verstoßen.
  3. Asylbewerber/-innen, die sich in einer irregulären Situation befinden, als “illegal” abstempeln könnte ihre Asylanfrage noch mehr gefährden, da es ein politisches Klima fördert, das intolerant gegenüber Asylbewerber/-innen ist.

Während die Bezeichnung von Migrant/-innen als “illegal” politische und gesellschaftliche Folgen hat, werden die Unterschiede der Situationen eines jeden Migranten vergessen. So kann ein Migrant z.B. eine Aufenthaltsgenehmigung haben, aber durch seine Arbeit gegen eine oder alle Bedingungen seines Visums verstoßen.

Wege, die zur irregulären Migration führen

Normalerweise gibt es verschiedenste Probleme beim undokumentierten oder irregulären Status, über die Migrant/-innen wenig oder keine Kontrolle haben. Diese Migrant/-innen sind sehr verletzlich und werden oft von jedem gesellschaftlichen und rechtlichen Schutz ausgeschlossen.

Die vielen Wege, um undokumentierter Migrant zu werden, zeigen den Spielraum im Immigrationsstatus und wie Migrant/-innen willkürlich zwischen “regulär” und “irregulär” hin und her wechseln. Migrant/-innen, die mit gültigem Visum auf offiziellem Weg einreisen, können später irregulär werden. Ebenso können Migrant/-innen, die nicht regulär einreisen, später regularisiert werden.

Reguläre Einreise

Nach der Erfahrung von PICUM und der anderen in seinem Netzwerk kommt die Mehrheit von Migrant/-innen in ihr Zielland über legale Wege mit Studenten-, Arbeits- und Touristenvisa. Nach ihrer Ankunft finden einige jedoch heraus, dass die Kosten für ihre Reise nicht über die sehr eingeschränkten Arbeitsmöglichkeiten, die ihnen mit dem jeweiligen Visumstatus zugestanden werden, verdient werden können und sie sehen sich oft gezwungen, gegen die Visabeschränkungen zu verstoßen und zusätzliche Arbeitsstunden anzunehmen oder auch nach Ablauf des Visums im Lande zu bleiben.

Das Arbeitsgenehmigungssystem wird vor allem durch die Arbeitgeber bestimmt und es gibt oft wenig Spielraum zwischen den Systemen. Für Migrantenarbeitskräfte haben finanzielle Nachteile, wenn sie eine gültige Arbeitsgenehmigung beantragen. Die wenigen Wahlmöglichkeiten für Arbeitskräfte, die auf Arbeit ausgebeutet wurden, sind weitere Faktoren, die dazu beitragen, dass Migrantenarbeitskräfte undokumentiert werden. Die am meisten verbreitete Schwierigkeit für viele Arbeitskräfte ist das Versprechen ihres Arbeitsgebers, ihre Arbeitsgenehmigung verlängern zu lassen, das nicht nachgekommen wurde. Die Abwesenheit einer praktischen Lösung in solchen Fällen trägt direkt dazu bei, dass Migrant/-innen undokumentiert werden.

Familienmitglieder wie Kinder und Ehepartner dürfen oft legal mit ihren Verwandten, die im Ausland leben / arbeiten, ins Gastland, aber erhalten oft keinen gesetzlich festgelegten Status für sich selbst. Sie haben kein unabhängiges Aufenthaltsrecht und können nach Trennung oder Scheidung undokumentiert werden.

Botschafter/innen und andere Botschaftsangestellte, die ihren Diplomatenstatus verlieren, während sie im Ausland verbleiben, können auch undokumentiert werden.

Irreguläre Einreise

Diese Kategorie bezieht sich auf Migrant/-innen, die in ein Land einreisen, ohne Grenzkontrollen zu untergehen oder diese mit falschen Papieren zu untergehen. Es kann wissend passieren, was oft bei denjenigen der Fall ist, die Flüchtlingsstatus anfragen wollen, aber den Schwierigkeiten, ihr Ursprungsland zu verlassen, gegenüberstehen, um Asyl anfragen zu können. Ebenso kann es der Fall sein bei Opfern von Menschenhandel.   

Während gezeigt werden konnte, dass die Mehrheit der undokumentieren Migrant/-innen in Europa nicht undokumentiert in Europa ankamen, bleibt der Nachdruck auf Verhöhung der Grenzkontrollen und –beschränkungen Hauptsorge von nationalen und EU-Politikern.

Trotz der erhöhten Medienpräsenz dieses Phänomens in den Medien, gibt es nur wenige eingehende Analysen der Gründe, warum so viele undokumentierte Migrant/-innen ihre Leben riskieren, um nach Europa zu kommen. Die Medienaufmerksamkeit konzentriert sich oft auf die tragischen Aspekte wie die lebensbedrohlichen Umstände der Reisen ohne besondere Aufmerksamkeit für andere Aspekte wie den Bedarf an Arbeitskräften in schlechtbezahlten Industriezweigen oder die positive Rolle, die diese Arbeitskräfte in der Entwicklung ihres Ursprungs- und Ziellandes spielen.


Hauptquellen:

- Migrant Rights Centre Ireland, Life in the Shadows (2007)  Click here
- PICUM, Undocumented Migrants Have Rights! (2007)   Click here

Externe Quellen:
- Anderson et al, Semi-Compliance in the Migrant Labour Market (2006) 
- Bogusz et al (eds.), Irregular Migration and Human Rights (2004)   Click here
European Glossary on Undocumented Migration Click here
- GCIM, Irregular Migration, State Security and Human Security Click here
- International Organisation for Migration, Commonly used Migration Terms Click here
- Association of Hispanic Journalists, Dehumanizing terms in migration coverage Click here
- UNHCR, International Thesaurus of Refugee Terminology Click here
- Website of SOLIDAR Click here

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